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 Betreff des Beitrags: Nachwuchsförderung
#1Ungelesener BeitragVerfasst: 18.08.2016 23:59 
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Heute möchte ich Euch einmal über meine Aktivitäten bei der Nachwuchswerbung berichten.
Wie die meisten von uns, bin ich lokal in einem Modellflugverein organisiert. Da hat man seinen Platz, seinen gemähten Rasen, seine Freunde, seine Versicherung und hin und wieder auch so seine Probleme mit den RC-Fliegern.
Als ich dort vor 2 Jahren anfing, habe ich öffentlich nur RC-Flug betrieben, das Lassogeiern habe ich immer nur allein geübt. Natürlich wurde ich hin und wieder dabei "erwischt" und zunächst argwöhnisch beobachtet. Als ich dann bei einer Vereinsveranstaltung mit Familien und Gästen einmal öffentlich vorgeflogen bin, war das Eis gebrochen, bzw. geschmolzen. Einige Zuschauer kannten das Herumkreiseln noch aus ihrer Jugend und waren glücklich so etwas mal wieder zu sehen. Inzwischen werden meine Fesselflugvorführungen begehrt angefragt und als Attraktion geschätzt.

Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang auch, wenn der Verein über ein Vorstandsteam verfügt, das Eigenverantwortung, Toleranz und Offenheit kultiviert und nicht dogmatisch jeden verteufelt, der mal etwas Neues (oder ganz Altes) probiert.

Am vergangenen Wochenende war nun wieder unser Sommerfest. Da meine letzte F2B-B Vorführung erst ein paar Wochen her war, habe ich mir für dieses Mal etwas anderes ausgedacht:
Lehrer-Schüler-Fliegen.

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Einige Rcler hatten im Vorfeld sogar Interesse an einem Testfesselflug bekundet. Glücklicherweise verfüge ich über das perfekte Übungsflugzeug: ein Cugar-Nachbau mit Styro-Balsa-Fläche und viel GFK!

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Dieses Modell habe ich vor einigen Jahren zum Wiedereinstieg gebaut. Stabil konstruiert, viel geflogen, häufig gecrasht und wieder repariert ist er nun "unkaputtbar"! Stehende 9, Wingover ohne Abfangen, Loopings 20cm unter 0 geflogen, und Rückenfluglandungen steckt er kaltlächelnd weg. Allerdings wiegt er nun auch 1950gr! So führen Landungshüpfer immer zu einem verbogenen Fahrwerk.

Mit 20m Leine, einem 7,5er Motor und stark reduzierten Ruderausschlägen sollte nun auch bei Wind ein schöner ballistischer Flug möglich sein. Rundenzeiten von knapp 5s geben auch bei kräftigem Wind sichere Leinenspannung. Flugdauer ca. 40 Runden.

Es fehlte nur noch der Doppelgriff. Da hatten wir ein Problem: wie einige sicher schon mal beobachtet haben, halte ich den Griff waagerecht, soweit o.k.. Das Problem ist aber, dass bei mir die Höhe auf dem kleinen Finger und die Tiefe auf dem Zeigefinger liegt. Ich benutze also meine Muskelgruppen genau umgekehrt wie alle anderen. Die Schüler sollten aber nicht von meiner persönlichen Besonderheit angesteckt werden. Sie sollten es "richtig" lernen. Der Griff konnte also nicht einfach nur ein Doppelholz nebeneinander sein. Auf den Bildern sieht man das Ergebnis der Überlegung.

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Mit diesem "Ding" kann auch ich bei 60° Linksverdrehung und 30° Rechtsverdrehung des Unterarms beim Schüler jedem das Fliegen mit der "richtigen" Handhaltung beibringen.

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Sehr aufschlussreich waren übrigens meine persönlichen Erfahrungen mit verschiedenen Pilotenanfängern. Vom vorsichtigen Herantasten bis zum dominanten Zupacken waren alle Varianten dabei. Einige brauchten ganz leichte Unterstützung während des ganzen Fluges, bei anderen konnte ich mich schon nach 10 Runden ausklinken. 3 der Schüler hatten nach dem Flug einen leichten Schwindel. Bei einem habe ich wohl zu früh losgelassen. Nach ein paar schönen Runden folgten dann einige "irgendwas zwischen Looping und Wingover". Der Hilferuf nach Wiederübernahme kam gerade noch rechtzeitig.
In der Summe gab es keinen Absturz, allerdings bei 6 von 8 Landungen ein verbogenes Fahrwerk.

Für die Statistiker: Die "Schülergruppe" bestand aus 7 Rechts-, 1 Linkshänder, 8 FlächenRCfliegern, 4 Helipiloten, 4 Verbrennern, 2 Viertacktern, 8 Elektrischen, 1 Turbine, 4 Delta/Nurflüglern, 3 FPVler, 5 Speedfans, 2 mit COX-FF-Erfahrung vor über 30 Jahren. (Mehrfachnennungen möglich)

Alle Teilnehmer waren begeistert von der neuen Erfahrung - einstimmige Meinung: "Das ist ja was ganz anderes - mit nichts Bekanntem zu vergleichen!" Mehr als die Hälfte wollen nochmal - einer unbedingt mit Looping!

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Alle, die in ihrem Verein oder auf ihrem Platz mit Akzeptanzproblemen kämpfen, empfehle ich dringend eine solche Veranstaltung. Zu diesem Zweck bin ich auch gern bereit meinen Panzer-Cugar auszuleihen. Als Übergabeort können Veranstaltungen dienen. Man kann ihn aber auch per Post verschicken.

Grundsätzlich kann man feststellen, dass die Akzeptanz für Fesselflug dort höher ist, wo sich der Fesselflieger auch als RCler betätigt. Wenn mein Gegenüber die Vermutung hat, dass ich SEIN Hobby ablehne, schließlich mache ich ja etwas anderes, wird er trotzig meines natürlich auch ablehnen. Mit Toleranz baut man Brücken.

Beste Grüße
Andreas


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachwuchsförderung
#2Ungelesener BeitragVerfasst: 20.08.2016 23:08 
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Hallo Andreas,

schön zu sehen, dass Du zum Fesselfluglehrer aufgestiegen bist ;-)
Auch deine Griffkonstruktion ist bemerkenswert; sie liegt irgendwo zwischen Kuriosität und Genialität. Was wiegt denn das Monster?
Aber wahrscheinlich möchtets Du damit nur die gewaltigen Fliehkräfte neutralisieren ;-)

…. genug gelästert!
Es ist wirklich Klasse, dass Du einen Weg gefunden hast, wie Du den Fesselflug vielen näher bringen kannst. Wer das einmal gesehen hat, wird sich wohl immer daran erinnern. Und wer es einmal ausprobiert hat und es dann nochmal machen will, ist wohl unrettbar vom Fesselflugvirus befallen. So soll es sein!
Wir sind halt nun mal unvergleichlich!

Und was sich daraus im Laufe der Zeit ergeben wird, werden wir hier aufmerksam verfolgen.

Meine Glückwünsche zum Nachwuchs
Martin


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachwuchsförderung
#3Ungelesener BeitragVerfasst: 21.08.2016 14:08 
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Hallo Martin,

der Griff ist im Gegensatz zum Flugzeug eher leicht geraten: 186gr. Trotzdem ist er sehr stabil. Pappröhren und 100er PU-Schaum - die Knoten mit Glas-Rowings umwickelt und dann alles mit 160er Gewebe und Epoxidharz ummantelt. Oben und unten 2 flache Blechwinkel einlaminiert, für den Extra-Grip mit Gummifarbe gespritzt, anschließend eine M4 Gewindestange eingeschraubt - fertig!
Die Gewindestange ermöglicht sehr gut, für Anfänger die Ausschläge zu begrenzen.

Die Fliehkräfte sind übrigens tatsächlich gut bemessen. 20m - 2kg - 92 km/h!
Leinenspannung ist durch nichts zu ersetzen, außer - durch noch mehr Leinenspannung!

Ob das Virus verfängt und die Saat aufgeht, es gar zu einem neuen Leinenlenker führt, wird man sehen. Das war aber nicht mein erstes Anliegen. Hauptsächlich wollte ich erstmal fundierte Information verbreiten, und Vorurteile ausräumen. Das geht am besten durch eigene Erfahrung.
Nicht zuletzt hat es allen viel Spaß gemacht.
Mal sehen, wie es sich entwickelt.

Bis bald
Andreas


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachwuchsförderung
#4Ungelesener BeitragVerfasst: 29.08.2016 16:17 
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An unseren Ferienplauschtage für Basler Schüler habe ich mit Erfolg das Doppelsteuer nach R.G. Moulten verwendet.
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Das sieht dann etwa so aus:
Schüler hat Leinenzug und Kontrolle.
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Nun hat der Lehrer die Kontrolle übernommen.
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Ich stand jeweils so hinter dem Schüler.
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Allerdings funktioniert das nur gut wenn beide Rechtshänder sind.


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 Betreff des Beitrags: Re: Nachwuchsförderung
#5Ungelesener BeitragVerfasst: 02.01.2017 11:16 
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Hallo,
ich freue mich überjede Bewegung bei der Nachwuchsgewinnung. Hat doch dieser Trade auch bei mir Aktivität ausgelöst. Ich habe wieder eine Arbeitsgemeinschaft an einer Schule.
Nun kenne ich auch das Prinzip des Doppelgriffes. Dieses hatte sich mir bisher noch nicht erschlossen.
Meine bevorzugte Methode andern das Fesselfliegen beizubringen, bestand darin dem Schüler den Griff zu überlassen und meine Hand auf die des Schülers zu legen. Das hat sich über viele Jahre bewährt.
Daraus resultieren einige Erfahrungen die ich gern hier darstellen will.
Ein Problem bei Anfängern ist häufig, dass zu heftig aus dem Handgelenk gesteuert wird. Beim Nachdrücken in der Startphase kommt es dabei oft zu unerwünschten Bodenberührungen.
Meine erste Schlussfolgerung daraus war den Start zunächst nicht dem Schüler zu überlassen. Das macht ihr sicher auch so.
Aber auch im Normalflug kommt es zu Situationen die einen Wellenflug verursachen. Das kann durch Windeinfluss oder aber auch durch die Flugaufgabe selbst geschehen. Ich fordere meine Schüler immer auf nach 2 bis drei Runden die Höhe zu wechseln.
Als Abhilfe kann der Griff des Lehrers direkt am Handgelenk erfogten. Somit ist das Steuern aus dem Handgelenk für den Schüler erschwert.
Das sind allerdings Beobachtungen, die mit dem Doppelgriff nicht möglich sind.
Aber wie gesagt, ich kannte diese Methode noch nicht.

Nun zu einer Frage an alle "Fluglehrer". Wie erklärt ihr dem Schüler eigentlich das Prinzip des Steuerns eines Fesselflugmodells?
Ich meine hier die Bewegungen von Hand und Arm.


WOME


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